programm und zweite einladung
(voranmeldung notwendig! für die teilnahme am forum ist wegen der planung bezüglich räumlichkeiten, essen und schlafplätzen eine voranmeldung notwendig, die bis spätestens 16.6.2002 bei uns eingegangen sein muß. weiteres dazu am ende dieser einladung...)
wir hatten in unserer ersten einladung (http://www.expertbase.net/forum/ieinladung_alt.html) bereits dargelegt, dass wir mit dem forum einen diskussions- und auseinandersetzungsrahmen schaffen wollen, der die soziale dimension der kämpfe um das recht auf freizügigkeit in den mittelpunkt stellt. dabei möchten wir verschiedene herangehensweisen und doch reichhaltige erfahrungen in puncto arbeit und migration sammeln und verbinden, neue zusammenhänge stiften und schließlich gemeinsame handlungsoptionen eröffnen.
Um es klarer zu sagen: wir erhoffen uns davon zum einen impulse für unsere tägliche tätigkeit. Aber mehr noch wollen wir bedingungen, möglichkeiten und ziele ausloten für eine vielversprechende kampagne in einer der umkämpftesten und umstrittensten zonen unserer gesellschaft.
im folgenden wollen wir anhand der konkreteren programmplanung verdeutlichen, entlang welcher fragestellungen wir uns das forum vorstellen.
die "referentInnen" werden gebeten, ihre beiträge als prägnanten "input" vorzubereiten und jeweils unter zehn minuten zu halten. wir wollen jedenfalls keine podiums- und konferenzatmosphäre, wo einzelne reden und andere zuhören, sondern eben ein forum, in dem möglichst viel unmittelbarer diskussionsraum gegeben ist.
abhängig von der teilnehmerInnenzahl wollen wir am samstag in einer oder zwei gruppen mit jeweils maximal 30 personen an den jeweils gleichen thematiken debattieren. bislang haben aktive und aktivistInnen aus der gewerkschaftlichen und antirassistischen linken, von migrantischen selbstorganisationen sowie aus feministischen projekten ihre teilnahme zugesagt.
freitag, 21.6.02
anreise und abendessen ab 18 uhr
forumsbeginn um 19.30 uhr (ende ca. 22 uhr)
titel: horizonte
nach einer kurzen einführung zum programm wollen wir das forum mit einer gemeinsamen vorstellungsrunde eröffnen und alle teilnehmerInnen bitten, in kurzen sätzen ihren erfahrungshintergrund sowie ihre interessen und erwartungen zu äußern.
anschließend folgen drei beiträge, um eher beispielhaft den gesamthorizont der arbeits- und fluchtmigration aufzureißen. denn unserer ansicht nach lassen sich die sozialen realitäten, die verbindungen zum herkunftsland, die sozialen bewegungs- bzw. politischen artikulationsformen zunächst in keiner weise homogenisieren.
- ein/e vertreterIn von woge e.v. aus hamburg (angefragt) wird die für flüchtlinge wechselnde gesetzgebung zwischen arbeitsverbot und beschränkten erlaubnissen skizzieren sowie soziale und politische widerstandsansätze beschreiben.
- sabine hess (tübingen/frankfurt) wird am beispiel von au-pair-mädchen aus der slowakei einige geschlechtsspezifische aspekte zur osteuropäischen pendelmigration zusammentragen und darin nicht nur die ausbeutung sondern auch deren selbstbestimmtes bewegen im transnationalen raum thematisieren.
- helmut weiss (verdi dortmund) wird an hand von erfahrungen in call centern über sonne und schatten der immateriellen arbeit berichten.
wenn es die zeit zuläßt, wollen wir in der anschließenden diskussion erste fragen und ambivalenzen um den begriff der "autonomie der migration" aufwerfen.
dass migration nicht nur als reaktion und folge der globalen verwüstungen und unterdrückungen angesehen werden kann, sondern sich darin die suche nach gerechteren lebensverhältnissen wiederfindet, düfte weitgender konsens sein. doch die überwindung der grenzregimes, die soziale widerständigkeit gegen das globalisierte lohngefälle mündet im zielland nicht selten in neue, extreme formen der ausbeutung und vernutzung.
"migrationsbewegung" ist in erster linie ein sozialer prozeß, eine politische artikulation oder gar die verbindung und ausweitung in andere emanzipative organisierungsversuche besteht in den wenigsten fällen. warum begreifen wir dennoch die migration als einen zentralen motor der "globalisierung von unten"? welches verhältnis besteht zwischen ihren sozialen und politischen bewegungsformen?
wir gehen davon aus, dass sich diese fragen durch das gesamte forum ziehen und dann vor allem bei der diskussion um perspektiven nochmals konkreter aufgegriffen werden.
samstag, 22.6.02
diskussionen in drei teilen
von 8.30 uhr bis 9.30 uhr gemeinsames frühstück
danach beginn des ersten drittels bis 12.30 uhr
titel: zustände - vorzeichen - widersprüche
im ersten teil soll versucht werden, die rassistische strukturierung des arbeitsmarktes in den gesamtzusammenhang der sozialpolitischen ausbeutungsoffensive zu stellen und sich damit auch der komplexität der ganzen thematik umfassender zu nähern.
input:
- anne eberle (nrw-landeserwerbslosenausschuß verdi): zwischen anwerbestopausnahmeverordnung und arbeitszwang
- birgit beese (köln): "deutsche" besonderheiten des industriellen niedriglohnsektors
- n.n. : ethnische überlebensstrategien organisierung im hierarchisierten arbeitsmarkt
- angelo lucifero (verdi thüringen): lohndumping, nicht nur in ostdeutschland... oder: "proletarier aller länder, unterbietet euch!"
mittagessen und pause bis 14.00 uhr
danach beginn des zweiten drittels bis 17.00 uhr
titel: was tun?
im zweiten teil geht es um möglichkeiten und ansatzpunkte eines multiethnischen und internationalistischen widerstandes, der sich insbesondere auf die arbeitssituation entrechteter oder illegalisierter migrantInnen bezieht. dabei sollen auch erfahrungen aus anderen westeuropäischen ländern bzw aus den usa einfließen, die für die entwicklung hier von bedeutung sein können.
input:
- beshid najafi (agisra köln): beratung und unterstützung von illegalisierten arbeitsmigrantinnen
- sabine stövesand (gwa - st.pauli-süd): stadtteil, community, selfempowerment
- frank john (off limits, hamburg): zwischen off limits und universal access, mit der expertbase nach brandenburg?
- helmut weiss (labournet): gewerkschaftslinke, migrantInnen und gleiche rechte
- jeffrey raffo (OrKa - Organizing & Campaigning - dortmund): internationalistische gewerkschaftsansätze
- susanne lang/florian schneider: erfahrungen multiethnischer organisierung im niedriglohnbereich in den usa - justice for janitors
pause und abendessen bis 19.00 uhr
danach beginn des dritten drittels bis 22.00 uhr
titel: kritik und krise der arbeit
im dritten teil sollen die ebenen der informellen und reproduktionsarbeit vor der these der krise der arbeit diskutiert werden. ist eine mögliche 'formalisierungs - forderung' antagonistisch?
input:
- stefan meretz (oekonux/verdi):zum verhältnis von materieller und immaterieller arbeit
- ernst lohoff (krisis): krise der arbeit
- n.n.: reproduktionsarbeiten
ab 22 uhr bis 1 uhr:
working class launch mit work poetry, music und drinks
sonntag, 23.6.02
frühstück von 9.00 uhr bis 10.00 uhr
danach beginn der abschlußdiskussion (bis etwa 13 Uhr)
titel: kampagnen und konvergenzpunkte
zum abschluss des forums soll die diskussion konkreter initiativen und handlungsvorschläge im mittelpunkt stehen.
input:
- manuela bojadzijev (kanak attak frankfurt): eine kampagne für das recht auf legalisierung als gemeinsamer focus der linken und antirassistischen bewegung?
- sylvia honsberg (ig bau): vom kampf gegen illegale arbeit zur kampagne für einen mindestlohn?
- everyone is an expert: keine multitude ohne attitude .. let`s talk about europe ... and come to strasbourg
ob mit dieser abschlußdiskussion die verständigung auf eine gemeinsame, zentrale kampagne möglich ist oder ob es - als minimalem anspruch - um eine intensivere und kontinuierliche vernetzung verschiedener ansätze gehen wird, muß dem verlauf und der dynamik des forums überlassen bleiben. die bislang absehbare zusammensetzung des forums stimmt uns jedenfalls optimistisch, dass wir, wie in der ersten einladung beschrieben, auf "die synergieeffekte eines praktisch orientierten cross-over-zusammentreffens" setzen können.
der reader:
unter http://www.expertbase.net/forum/reader/index.html haben wir begonnen, einige texte zusammenzustellen, deren lektüre wir in der vorbereitung auf das forum empfehlen. zum teil ergänzen sie die einleitungsbeiträge, die - wie anfangs dargelegt - relativ kurz gehalten werden sollen. zum anderen beinhalten sie thesen und genauere ausführungen zu den grundsätzlichen fragestellungen in der einordnung und perspektive der migrationsbewegung. dieser reader wird in den nächsten tagen noch erweitert. falls ihr interessante texte habt, sind wir für hinweise dankbar.
ort des forums:
Movimento, Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof 57 a (Nähe ZOB und HBf) unkostenbeitrag 25 Euro Falls jemand Schlafplätze in Hamburg benötigt, bitte vorher Bescheid sagen. Wir organisieren eine kleine Schlafplatzbörse. An dieser Stelle auch gleich die Aufforderung an die TeilnehmerInnen aus Hamburg, uns mitzuteilen, ob und wenn wie viele Personen sie bei sich aufnehmen können. Für das leibliche Wohl wird mit Büffets und Mahlzeiten gesorgt sein. Wir hoffen, dafür mit dem Unkostenbeitrag hinzukommen, eventuell brauchen wir sonst noch eine kleine Umlage.
Kontakt über:
Frank john
frank@offlimits.de
0179-6619710 oder 040 - 35564608